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Das Delir- Eines der drei großen D´s

Was ist ein Delir?

Das Delir ist ein unspezifisches hirnorganisches Syndrom, das verschiedenste Ursachen haben kann. Unter den bekanntesten Auslösern sind Dehydrierung und Narkosenachwirkungen bekannt. Aber die Auslöser sind genauso vielfältig wie die Symptome. Das Delir kann akut lebensbedrohlich sein, aber auch, in leichterer Form, über Wochen und Monate unerkannt bleiben. Ein schweres oder länger nicht erkanntes Delir hat dauerhafte Folgen auf die kognitive Leistung und erhöht das Risiko an einer Demenz zu erkranken oder in einer anderen Situation erneut ein Delir zu entwickeln. Dabei gibt es keine Therapie für das Delir, sondern lediglich Prävention sowie eine Behandlung der Ursachen, Symptome und Begleiterscheinungen.

 

Das Delir in Zahlen:

  • Bei hochaltrigen Patienten im Krankenhaus wurde ermittelt, dass bis zu 56 % von einem Delir betroffen sein könnten.
  • Für Pflegeheime wurden in einigen Studien sogar noch höhere Raten als im Krankenhaus nachgewiesen. Dies ist u.a. begründet durch die hohe Anzahl an Bewohner*innen mit dementiellen Erkrankungen. Aber auch die erhöhte Wachsamkeit des Pflegepersonals für die Symptome und somit eine geringere Rate von unerkannten Delirien könnte eine Rolle spielen.
  •  Es wird davon ausgegangen, dass 30–60 % der Delirien unerkannt bleiben, meist diejenigen, in der hypoaktiven Ausprägung (Verlangsamung).
  • Bei Senior*innen sind etwa ca. 20 %  der Delirien arzneimittelinduziert.

Das Delir beim Hausarzt:

Bei Hausärzten wird das Delir sehr selten diagnostiziert: Bei dem Vergleich von Routinedaten von über 6 Millionen deutschen Hausarztpatient*innen mit einem durchschnittlichem Alter von 82 Jahren, ergab sich eine 5 Jahres-Prävalenz für ein Delir von 0.08%. 33% der beteiligten Praxen diagnostizierten in der Studie in fünf Jahren nicht einen einzigen Fall von Delir.  Grund ist hier u.a. fehlendes Hintergrundwissen. Aber auch die Tatsache, dass spezifische Delir-Tests  nicht im Gebührenkatalog im ambulanten Bereich verankert sind.

Hier kommen Sie zu der Studie:

 

Mögliche Auslöser für ein Delir (Auswahl): 

  • Dehydration/Exsikkose und Fehlernährung
  • Polypharmazie und Reaktionen auf (anticholinerge) Medikamente, darunter Inkontinenz-und Parkinson-Medikamente, sowie Psychopharmaka
  • Narkose 
  • (unerkannte) Schmerzen und Infektionen und Entzündungen, 
  • Stress (u.a. durch Umzug in ein Pflegeheim oder einen Krankenhausaufenthalt
  • Schlafmangel und Immobilisierung
  • (kleinere) Gehirnblutungen
  • (unerkannte) Entzugserscheinungen bei (nicht korrekt angegebenen) Medikamenten, insbesondere bei Benzodiazepinen

Charakterisiert wird das Delir...

...durch gleichzeitig bestehende Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik, der Emotionalität und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Delirien beginnen zudem plötzlich und fluktuieren über den Tag hinweg. Auch ein plötzlicher Wechsel zwischen einer stark erhöhten und einer stark geminderten Aktivität ist, gerade in Verbindung mit dementiellen Erkrankungen, typisch. Bei professionell und privat Pflegenden, die gut mit dem üblichen Verhalten der Pflegebedürftigen vertraut sind, ist auch im fortgeschrittenen Stadium der Demenz noch eine Veränderung durch ein Delir bemerkbar.

 

Delir am Telefon abklären:

Für diese Personengruppe hat ein niederländisches Team jetzt ein einfaches Instrument entwickelt, mit dem ein Delirverdacht beim Arzt telefonisch innerhalb von ca. 2 Minuten abgeklärt werden kann. Lesen und hören Sie dazu mehr beim DZLA

 

Demenzsensibles Krankenhaus- für Sie angehört:

 In der Sonderreihe Psychologisches Radio berichtet Dr. Stephan Kreisel, Leiter der Gerontopsychiatrie im Klinikum Bethel von einem Modelprojekt für ein demenzsensibles Krankenhaus. Hören Sie hier die Folge zu Delirprävention und dem Projekt HELP. Dazu in Kürze mehr Informationen...

 

Auf der Plattform "Klinisch Relevant" finden Sie eine kostengünstige Online-Fortbildung zum Thema Delir-Erkennung und Delirmanegement

 

Und jetzt Sie!

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Syndrom? Wie erleben Sie im Bezirk die ärztliche Versorgung und die Krankenhäuser in Bezug auf Delir-Sensibilität? Welche Vorbereitungen treffen Sie in der ambulanten und stationären Pflege vor (geplanten) Krankenhausaufenthalten oder was raten sie den Angehörigen? Sind Sie an einer Fortbildung zu diesem Thema interessiert? Auch für die Diskussionen auf unsrem Forum am 18.08. bin ich gespannt auf Ihre Rückmeldungen!

 

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